Nuttlarer trafen sich bereits vor 400 Jahren mit den Nachbarn an den Schnadebäumen

(Zeitungsbericht vom 15. September 1997)

Nuttlar. Im Rahmen des 925jährigen Ortsjubiläums findet am kommenden Samstag, dem 20. September 1997 der große Schnadegang entlang der östlichen Grenze statt.

Rudolf Heinemann, Mitglied des Festausschusses, weist aus diesem Anlaß auf schrifliche Überlieferungen hin, die beweisen, daß die Nuttlarer und ihre Nachbarn aus Kallenhardt und Antfeld seit über 400 Jahren die Grenzen gekennzeichnet und überprüft haben.

Aus alten Aufzeichnungen des Nachbarortes Kallenhardt ist zu entnehmen, daß am Tage Mariä Heimsuchung (2. Juli) 1596 der Rat mit etlichen Bürgern zu der Schnad und den Schnadbäumen an der Nuttlarer Grenze " achter dem Langenberg und Wegeberg" ging. In einem Schriftstück aus dem Jahre 1598 heißt es wörtlich:" Als wir mit den von Nutler die Schnede hinder unserm Langenberg gezogen."

Die Waldgrenzen wurden in ältester Zeit durch Bäume und Hecken "geplackt". Um sie dem Gedächtnis der kommenden Geschlechter einzuprägen, umzog man in bestimmten Zeitabständen die Waldmarken, wo an vereinbarten Plätzen die Deputierten der Nachbarorte zur Begrüßung erschienen.

Am 8. August 1688 wurden zwischen Antfeld und Kallenhardt 5 Schnadsteine gesetzt. Das Protokoll dazu nennt 18 Teilnehmer mit Namen, beglaubigt durch " Christian Angerstein, Gerichtsscheffe des Gogerichts Brilon und Schulze zu Nuttlar.

Das Kallenhardter Stadtbuch des Jahres 1708 verzeichnet 5 Reichsthaler und 14 Groschen Ausgaben für die Schnade mit den Nachbarn Antfeld und Nuttlar.

Durch diese Jahreszahlen wird belegt, daß die Nuttlarer seit nunmehr über 400 Jahren mit dem Schadegang in Berührung standen.

Zum 900jährigen Dorfjubiläum im Jahre 1972 gingen die Nuttlarer erstmals wieder die östlichen Grenzen ab. Was damals bei strahlendem Sonnenschein begann, endete mittags in einem fürchterlichen Gewitterschauer.

Die St. Anna - Schützenbruderschaft hat es sich seit dieser Zeit zur Aufgabe gemacht, die Tradition der Schnadegänge weiterzuführen. So fanden in den vergangenen 25 Jahren in regelmäßigen Abständen die Nuttlarer Schnadegänge statt.

Der Fanfarenzug und der Männergesangverein werden am Samstag um 7.30 Uhr zusammen mit dem Ortsvorsteher Richard Dolle alle Schnadegänger und Gäste auf dem "Brauk" begrüßen. Bereits um 7.45 Uhr ist das Treffen mit den Nachbarn aus Ostwig am Schieferberg angesagt. Um 10 Uhr trifft man die Nachbarn aus Antfeld am Surenberg. Gegen 11.30 Uhr ist die Ankunft am Grimmlinghauser Grenzstein geplant. Für 12.OO Uhr ist die Mittagsrast vorgesehen. Gegen 14 Uhr treffen die Nuttlarer mit Baron vom Papen am Hirschbruch zusammen und kurze Zeit später mit den Nachbarn aus Kallenhardt am "Dreikreisestein". Um 15 Uhr wird der Endpunkt der großen Jubiläumsschnad auf der "Nuttlarer Höhe" erreicht sein. Dort wird das Panikorchester die Schnadegänger und Gäste unterhalten.

Für kostenlose Fahrgelegenheiten zu und von den Ratsplätzen ist ab Dorfmitte jederzeit gesorgt.